PAGANINO Lexikon wichtiger Streicherbegriffe

Alles, was Sie über Streichinstrumente wissen müssen





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Abstrich


Mit dem Begriff Abstrich wird die Bewegung des Streichbogens in Richtung des Frosches bezeichnet. Der Abstrich ist neben dem Aufstrich eine der zwei traditionellen Stricharten des Bogens über die Saiten eines Streichinstrumentes. In Partituren wird der Abstrich mit einem Froschsymbol gekennzeichnet, welches dem Aussehen des Frosches am Bogen ähnelt. Der Abstrich ermöglicht leichter ein Decrescendo und ein einzeln gespielter Ton klingt stärker als beim Aufstrich. Daher wird der Abstrich vor allem auf betonten Zählzeiten des Taktes oder für einen kräftigen Schlusston verwendet. Da die Gambe mit einer speziellen Bogenhaltung – der sogenannten Unterbogenhaltung – gespielt wird, wirken Abstrich und Aufstrich hier umgekehrt.



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Boden


Die Unterseite eines Streichinstrumentes wird als Boden bezeichnet. Über die seitlich angebrachten Zargen ist der Bogen mit der Decke verbunden, über welche die Saiten verlaufen. Sowohl Decke als auch Boden sind gewölbt und bilden zusammen mit den Zargen den Korpus des Streichinstrumentes. Als Material für den Boden wird häufig Ahorn verwendet. Seltener werden auch Hölzer wie Pappel, Erle oder Kastanie als Material genutzt. Der Boden ist üblicherweise zweigeteilt, d. h. aus zwei Hälften zusammengesetzt, wodurch sich das beliebte symmetrische Erscheinungsbild des Bodens ergibt. Der Boden kann jedoch auch einteilig gefertigt sein.



Bogen


Der Bogen ist ein Hilfsmittel zur Klangerzeugung bei Streichinstrumenten. Die Bezeichnung Bogen geht dabei zurück auf die bis zur Barockzeit gebräuchliche Form mit einem konvexen nach oben gebogenen Stab und darunter gespannten Haaren ähnlich einem Bogen zum Abschießen von Pfeilen. Als Abgrenzung zu diesem findet sich an manchen Stellen auch die präzisere Bezeichnung Streichbogen.

Ein Streichbogen besteht aus Bogenstange, Beinchen, Frosch und den entlang der Stange gespannten Bogenhaaren. Moderne Bögen besitzen eine konkav nach unten gebogene Stange, die meist oktogonal oder auch rund geformt ist und sich zur Spitze hin verjüngt. Als Material für die Stange wird aufgrund des guten Verhältnisses zwischen Festigkeit und Flexibilität Fernambuk oder Brasilholz verwendet. Seit einigen Jahren hat sich zudem Carbon als Werkstoff für die Bogenstange etabliert. Für die Bespannung des Bogens wird Rosshaar verwendet. Dabei wurde die Spannung des Bogenhaares ursprünglich durch Druck von Mittel- oder Zeigefinger reguliert. Heute erfolgt die Änderung der Spannung über das Beinchen – einem Drehgriff am Ende des Bogens. Dies ermöglicht eine präzisere Regulation der Bogenspannung. In ihrem grundlegenden Aufbau stimmen die Bögen für Violine, Viola und Violoncello überein. Einzig bei Kontrabassbögen sind einige Besonderheiten zu beachten. Hier wird zudem zwischen einer deutschen und einer französischen Bauart unterschieden. Französische Bögen sind in der Regel kürzer und schwerer als ein deutscher Bogen. Zudem unterschieden sich beide Bögen in der Form des Frosches und der Bogenhaltung.

Frühe Barockbögen für Gambe oder Violine waren oft sehr kurz, stark konvex gebogen und wurden in der (französischen) Untergriffhaltung gespielt. In Italien entwickelte sich schließlich im 17. Jahrhundert eine längere Bogenform, welche im (italienischen) Obergriff gehalten wurde und Spiel und Klangcharakter entscheidend veränderte. In der Klassik wurde der Bogen weiter entwickelt, um dem gesteigerten Interesse an virtuosen Formen Rechnung tragen zu können. Zu diesen Neuerungen zählten eine bruchfestere Stange, eine Froschbahn aus Metall und die konkave Bogenform. Die Verwendung von Fernambuk, die komplizierte Verjüngung des Bogens zur Spitze hin sowie das seit einigen Jahren immer populärer werdende Carbon als Material stellen dagegen Errungenschaften des modernen Bogenbaus dar.

Bassbalken


Zur Verstärkung der tiefen Frequenzen wird bei Streichinstrumenten auf die Innenseite der Decke der sogenannte Bassbalken unter die Basssaite eingeleimt. Die sich längs ausbreitenden hohen Frequenzen der anderen Saiten werden gedämpft und die tiefen Frequenzen gleichmäßig auf Ober- und Unterbug verteilt. Dadurch trägt der Bassbalken viel zum ausgeglichen warmen Klang eines Instrumentes bei. Weiterhin nimmt der Bassbalken eine wichtige statische Funktion für das Streichinstrument ein. Er verteilt den durch den Steg ausgeübten Druck gleichmäßig über die gesamte Fläche der Decke und stabilisiert diese damit.



Bogenhaar


Der Bezug eines Streichbogens wird als Bogenhaar bezeichnet. Als Material kommt dabei ausschließlich Rosshaar zum Einsatz. Qualitätsunterschiede gibt es bei der Auswahl und Sortierung des Haares sowie der Verarbeitung. Gutes Bogenhaar sollte auf natürliche Weise gereinigt und ungebleicht sein. Die Spannung des Bogenhaares wird mit Hilfe des Beinchens reguliert.



Brasilholz


Brasilholz ist im Bogenbau ein gern verwendetes Material zur Fertigung der Bogenstange. Der Begriff wird jedoch nicht einheitlich verwendet und daher – je nach Quelle – unterschiedliche Hölzer als Brasilholz bezeichnet. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird die Bezeichnung oft für das Tropenholz von Bäumen der Gattung Caesalpinia oder auch generell für verschiedene Rotholzsorten verwendet. Im Bogenbau hingegen wird in das besonders hochwertige Fernambuk