Ein Streifzug durch die Geschichte der Opern-Ouvertüre.
Die Ouvertüre gehört zur Oper wie der Spitzenton in der höchsten Sopran- oder Tenorlage. Sollte man meinen. Dabei beginnt längst nicht jede Oper mit einer Ouvertüre. Nicht nur in Verdis „Rigoletto“ oder Bizets „Carmen“ ist das Eröffnungsstück zu einem kurzen Vorspiel geschrumpft. Umfangreiche Ouvertüren wie zu Beethovens „Fidelio“, Webers „Freischütz“ oder Rossinis „Guillaume Tell“ erwiesen sich schon bald als Auslaufmodell.
In diesem historischen Überblick geht es vor allem um den Zusammenhang zwischen musikalischer Einleitung und Bühnenhandlung. Im Brennpunkt stehen – neben „typischen“ Ouvertüren aus vier Jahrhunderten Operngeschichte – charakteristische „Ausnahmen“ wie zum Beispiel die Vorspiele zu Wagners Musikdramen, der Prolog zu Leoncavallos „Pagliacci“ oder das Instrumentalstück für zwölf Autohupen am Beginn von Ligetis „Le Grand Macabre“. Schon seit der Mitte des 18. Jahrhunderts gibt es Versuche, das Eröffnungsstück dramaturgisch mit der Oper zu verknüpfen. Rameau und viele andere Komponisten sahen pantomimische Aktionen bei geöffnetem Vorhang vor – lange bevor „moderne“ Opernregie solcherlei traditionellen Ouvertüren hinzuerfinden sollte.
Der Autor
Anselm Gerhard, renommierter Kenner der Oper des 19. Jahrhunderts, wirkte als ordentlicher Professor für Musikwissenschaft an der Universität Bern von 1994 bis 2021. Er ist u. a. Herausgeber des „Verdi-Handbuchs“ (in 2 Auflagen, BVK02057) und der Zeitschrift „verdiperspektiven“ (seit 2016).
Autor: Anselm Gerhard.
Ausgabe: Hardcover, 139 Seiten.
Bärenreiter Musikverlag BVK04047.
ISBN: 9783761826676.
Inhalt:
- Kapitel: Sinfonia und Ouverture
- Mantua 1607
- „Mantua“ 1851
- Die italienische „Sinfonia“ als Modell
- Pariser Sonderweg
- Debatten in Berlin
- Rameaus Experimente
- Überdruss an der Schablone
- Kapitel: Experimente in der Zeit der „Aufklärung“
- Mozart, Salieri und Haydn
- Unwetterszenen
- Pantomimen
- Kriegslärm
- Die „Medley Overture“
- Wien 1874
- Kapitel: Kurz oder lang?
- Wagners und Verdis Anfänge
- „Si ántes no se conoce lo imitado“
- Vorspiel oder Ouvertüre?
- Rossinis Unwetter
- Glöckchen und Schüsse
- Überbordende Energie
- Vorspiele als Warenmuster
- Kapitel: Konkurrenz zur Symphonie
- Zwischen den Akten
- Symphonische Musik in der italienischen Oper
- Eine Ouvertüre als Keimzelle
- Braucht es überhaupt Ouvertüren?
- Medias in res
- Gestaffelte Vorhänge als Notlösung
- Kapitel: Sichtbares und Unsichtbares
- Unsichtbare Chöre
- Mitten im Gespräch
- „Bevor die Musik beginnt“
- Ein Sonnenaufgang in Japan
- Eine nachgelieferte Ouvertüre
- Vier Ouvertüren für einen „Klassiker“
- Am Anfang und zum Schluss
- Kapitel: Rückblenden und Prologe
- „Ich bin der Prolog“
- „Ein Stück, dem niemand zuhört“
- Prologe für „merkwürdige Geschichten“
- Rückblenden
- Bebilderte Ouvertüren in der Weimarer Republik
- „Flashbacks“ im Jahre 1870
- Vorgeschichte für das innere Auge
- Nachbemerkung und Dank
- Abbildungsnachweise
- Personen- und Werkregister